Ich einem anderen mitzuteilen, selbst wenn man den anderen sehr gut kennt, ist außerordentlich schwer. Hier sind wir zusammen: Sie kennen mich nicht, und ich kenne Sie nicht. Wir sprechen auf verschiedenen Ebenen. Vielleicht gebrauche ich Worte, die für Sie eine andere Bedeutung haben als für mich. Verständnis jedoch kann nur herrschen, wenn wir uns zur gleichen Zeit auf der gleichen Ebene begegnen. Das geschieht erst dann, wenn wirkliche Zuneigung zwischen Menschen besteht – zwischen Mann und Frau oder intimen Freunden.
Es ist sehr schwer, sich einem anderen leicht, eindrucksvoll und derart mitzuteilen, daß die Wirkung nicht ausbleibt, und ich werde keine technischen Ausdrücke, die uns die Lösung unserer schwierigen Probleme nur erschweren würde, anwenden. Glücklicherweise habe ich keine Bücher über Psychologie und Religion gelesen. So will ich versuchen, mit Hilfe sehr einfacher Worte, die wir im täglichen Leben gebrauchen, eine tiefere Bedeutung zu vermitteln.
Das ist jedoch sehr schwer, wenn der andere nicht weiß, wie er zuhören soll; und Zuhören ist eine Kunst.Um wahrhaft zuzuhören, sollte man alle Vorurteile, festgelegten Begriffe und Alltagsinteressen beiseite lassen. Nur ein empfangsbereiter Sinn kann leicht verstehen, und erst wenn die volle Aufmerksamkeit einer Sache zugewandt ist, vermag man zuzuhören. Unglücklicherweise ist das selten der Fall. Die meisten Menschen hören durch einen Filter von Widerstand zu. Wir sind durchdrungen von Vorurteilen – religiösen, geistigen, psychologischen und wissenschaftlichen -, von unseren täglichen Nöten,. Wünschen und Ängsten. Daher vernehmen wir tatsächlich nur unser eigenes Geräusch, nur unsere eigenen Laute, nicht aber was gesprochen wird. Es ist ja auch so schwer; unsere Erziehung, unsere Vorurteile, unsere Neigungen und unseren Widerstand auszuschalten, nicht an Worten hängen-zubleiben, sondern so zuzuhören, dass man unmittelbar versteht. Und gerade hierin wird eine unserer größten Schwierigkeiten liegen. –j.K. Schöpferische Freiheit